Pflegende Frauen im Beruf: wer bleibt – wer geht

Wird ein Angehöriger zum Pflegefall, übernehmen meist Frauen zwischen 40 und 50 Jahren die Pflege. Dann gilt es Beruf und Pflege miteinander zu vereinbaren – das gelingt nicht immer.

Junge und alte Frau © iStock
(Berlin – 23.01.2019) Die meisten Pflegebedürftigen wollen zu Hause gepflegt werden. In 70 Prozent der Fälle übernehmen die häusliche Pflege dann Frauen – meist sind sie zwischen 40 und 50 Jahre alt, also im erwerbsfähigen Alter. Die Frauen stehen damit vor der Herausforderung, Pflege und Beruf miteinander zu vereinbaren.

Die Analyse: Wann Frauen wegen Pflegaufgaben weniger arbeiten

Nicht alle Frauen können Beruf und Pflege kombinieren. Das zeigt eine neue Untersuchung des Deutschen Zentrums für Altersfragen. Für die Untersuchung wurde das Beschäftigungsmuster pflegender Frauen im Alter von 45 bis 59 Jahren mit Daten des Sozi-oekonomischen Panels, einer Längsschnittbefragung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, ausgewertet. Das Sozio-oekonomischen Panel ist eine repräsentative Wiederholungsbefragung, die seit über drei Jahrzehnten im Auftrag des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung läuft.

Insgesamt wurden 6201 Frauen mit und ohne Pflegeaufgaben hinsichtlich ihrer Wechsel von einer Erwerbstätigkeit (in Vollzeit oder Teilzeit) in die Nichterwerbstätigkeit beziehungsweise von Vollzeit- in die Teilzeiterwerbstätigkeit untersucht. Für die Gruppe der Pflegenden wurden intensiv pflegende Frauen mit einem wöchentlichen Pflegeumfang von mehr als zehn Stunden von Frauen mit geringerem Pflegeaufwand von bis zu zehn Stunden unterschieden. Die Ergebnisse: Vor allem Frauen mit einem Pflegeaufwand von mehr als zehn Stunden pro Woche verlassen den Arbeitsmarkt.

Diese Gruppen pflegen am meisten

Die Untersuchung ergab auch, dass intensiv pflegenden Frauen im Schnitt ein geringeres Einkommen, Bildung und Berufserfahrung haben als Frauen ohne und mit geringem Pflegeaufwand. Hingegen unterscheiden sich Frauen mit geringerem Pflegeumfang in dieser Hinsicht wenig von der Gruppe der nicht Pflegenden.

Frauen mit geringerem Pflegeumfang waren im Durchschnitt gleich oder besser gebildet und qualifiziert und hatten ein höheres Haushaltseinkommen als Frauen ohne Pflegeaufgaben. Dies spricht dafür, dass die Berufsbiografie eine Rolle spielt, wenn es darum geht, Pflegeaufgaben in beachtlichem Umfang zu übernehmen.

Wem es am besten gelingt Pflege und Beruf zu vereinbaren

Frauen, die in geringerem Umfang pflegen, gelingt es besser, die Pflege und Beruf zu vereinbaren. Hier ist zwar die Tendenz zu beobachten, dass die Frauen von einer Voll- zu einer Teilzeitbeschäftigung wechseln, aber die Wahrscheinlichkeit, dass sie die Erwerbstätigkeit ganz aufgegeben, ist nicht erhöht. Bei Frauen mit intensiveren Pflegeaufgaben ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, dass sie ihre Vollzeit oder Teilzeitbeschäftigung ganz aufgeben.

Die Analyse zeigt weiterhin, dass pflegende Frauen mit höherem Einkommen und einer größeren Arbeitsmarktnähe wahrscheinlicher ihre Beschäftigung ganz oder teilweise aufrechterhalten. Frauen mit geringem Einkommen und einer größeren Arbeitsmarktferne hingegen tragen ein hohes Risiko, ihr Engagement im Beruf aufzugeben oder drastisch zu reduzieren, obwohl sie im Hinblick auf ihre Altersversorgung wahrscheinlich den größten Bedarf haben, weiterhin berufstätig zu sein. Das Fazit der Studie: Es bedarf sozialer Dienste, die auch für niedrige und mittlere Einkommen erschwinglich sind und weiterer Maßnahmen, um die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf zu verbessern.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 23.01.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung vom Deutschen Zentrum für Altersfragen vom 29.11.2018: Pflegende Frauen im Beruf: wer bleibt – wer geht?