Ein Wirkstoff gegen das Vergessen

Forscher haben einen Wirkstoff aus der Rhodiola rosea – auch Rosenwurzpflanze genannt – identifiziert, der im Tierversuch das Gedächtnis im Alter deutlich verbessert. Wie wirkt er?

Rhodiola Rosea © iStock
(Magdeburg – 03.12.2018) Um altersbedingtem Gedächtnisverlust vorzubeugen, gibt es bisher – außer körperlicher Bewegung – keine wirksamen Maßnahmen. In der traditionellen Medizin sind Pflanzenpräparate zur Förderung der Gedächtnisleistung zwar weit verbreitet. Allerdings: Die Wirkstoffkonzentrationen in den Pflanzen schwanken und der Wirkstoff kann deshalb inaktiv sein. Durch schwankende Wirkstoffkonzentrationen kann es zu Fehldosierungen führen, vor allem wenn noch nicht bekannt ist, welche Substanz der Pflanze positiv wirkt. In solchen Fällen sind weder die Wirkungen noch die Nebenwirkungen für den Patienten oder Arzt vorhersehbar.

Rosenwurzpflanze für die geistige Leistungsfähigkeit

Es ist schon länger bekannt, dass Rhodiola rosea, die Rosenwurzpflanze, das Gedächtnis verbessert. Allerdings wusste man nicht, welcher Wirkstoff dafür verantwortlich ist, weshalb bisher keine Medikamente entwickelt werden konnten. Durch verschiedene Tests, zunächst an Fliegenlarven, gelang es Wissenschaftlern der Leibniz-Institute für Neurobiologie und für Pflanzenbiochemie die Substanz, welche die Gedächtnisleistung fördert, zu identifizieren, aus der Pflanze zu isolieren und chemisch zu bestimmen. Ihr Name: Ferulasäure-Eicosyl-Ester (FAE-20). Mit der reinen Substanz, die im Labor gewonnen wurde, konnte der positive Effekt von FAE-20 auf die Gedächtnisleistung eindeutig belegt werden.

Positive Effekte auf das Gedächtnis im Alter

Der Wirkstoff ist identifiziert. „Als nächstes hat uns interessiert, ob sich auch bei alternden Fliegen das Gedächtnis verbessern lässt“, sagt Prof. Bertram Gerber vom Leibniz-Institute für Neurobiologie. Die Forscher zeigten, dass nach Zugabe von FAE-20 in das Fliegenfutter die Gedächtnisleistung von gealterten Fruchtfliegen um ein Drittel besser war als bei ihren nicht behandelten Artgenossen. Die Lernexperimente basieren auf der klassischen Konditionierung. Das heißt: Die Tiere lernen, einen Duft mit einer Belohnung – beispielsweise durch Zucker – zu verknüpfen. Es wurde dann überprüft, ob sie sich diese Verknüpfung gemerkt haben und den Duft nun attraktiver finden als zuvor.

Weitere Ergebnisse sind: FAE-20 verhindert, dass sich – altersbedingt – übermäßig viele Proteine an den Verbindungen der Nervenzellen im Gehirn der Fliege ansammeln. „Bei Fliegen heißt ,alt´ nur ungefähr 14 Tage. Daher war es für uns dann besonders ermutigend, zusammen mit den Kollegen der Magdeburger Otto-von-Guericke-Universität und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen die positiven Effekte auf die Gedächtnisleistungen auch bei über zwei Jahre alten Mäusen bestätigen zu können.“, sagt Dr. Birgit Michels Erstautorin der Studie vom Leibniz-Institute für Neurobiologie.

Neue Hoffnung für die Demenzforschung

Die Wissenschaftler hoffen, dass ihre Ergebnisse auch für die medizinische Demenzforschung genutzt werden können. „Wir sind da zuversichtlich. Schließlich wird die Pflanze bereits vom Menschen genutzt. Von unseren Ergebnissen mit FAE-20 bei Tieren ist die Übertragbarkeit zurück auf den Menschen daher wahrscheinlich“.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 03.12.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung des Leibniz-Instituts für Neurobiologie vom 24.10.2018: Rhodiola-Wirkstoff verbessert Gedächtnisleistung im Alter