Die Wirksamkeit von Anti-Aging-Hormonen

Schöne strahlend straffe Haut – auch im hohen Alter. Die Schönheitsindustrie verspricht es auch mithilfe von Anti-Aging-Hormonen. Wie wirksam diese Präparate tatsächlich sind und wie Sie den Alterungsprozess selbst positiv beeinflussen können.

Frau schaut in den Spiegel © iStock
(Berlin – 05.10.2018) Testosteron, Wachstumshormon, Zirbeldrüsenhormon Melatonin oder Dehydroepiandrosteron (DHEA): Die Einnahme dieser Hormone soll den Alterungsprozess aufhalten. Doch ihre Wirksamkeit ist nicht belegt.

Die Wirksamkeit ist nicht belegt – die Nebenwirkungen schon

Mit dem Altern geht die Abnahme verschiedener körpereigener Hormone einher. Um das auszugleichen, gibt es einen großen Markt für Hormonersatzpräparate. Präparate wie Testosteron, Wachstumshormon, dem Zirbeldrüsenhormon Melatonin oder Dehydroepiandrosteron (DHEA) sollen den Mangel ausgleichen. Doch die Wirksamkeit solcher Produkte ist wissenschaftlich nicht belegt.

Zudem sind bei manchen Wirkstoffen, etwa dem Wachstumshormon, Risiken und Nebenwirkungen bekannt. Insgesamt fehlen oft Langzeitdaten, die Sicherheit und Unbedenklichkeit der Hormongabe belegten. Daher sollte ihre Einnahme kritisch betrachtet werden.

Im Alter nimmt Hormonproduktion ab

Das Altern ist ein biologischer Vorgang – er beginnt mit der Geburt. Die Haut wird dünner, faltig und trocken, die Augen und Ohren verlieren an Leistungsfähigkeit, die Knochen werden porös und die Gefäße verengen sich mehr und mehr. „Zu diesen Rückbildungsvorgängen gehört auch, dass mit zunehmendem Lebensalter die Hormonproduktion wie beispielweise von Dehydroepiandrosteron (DHEA), Melatonin und Wachstumshormon nachlässt. Dieser Abfall der Hormone ist jedoch nicht die Ursache, sondern die Folge des natürlichen Alterungsprozesses“, sagt Professor Dr. med. Matthias M. Weber, Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. „Auch wenn es heute einen großen Markt an Hormonprodukten und Therapien gibt, die versprechen, den natürlichen Alterungsprozess hinauszuzögern, die Leistungsfähigkeit, das jugendliche Aussehen und die Lebensqualität auf hohem Niveau zu erhalten sowie gar das Leben insgesamt zu verlängern, gibt es hierfür keinen wissenschaftlichen Beleg.“

Das Nebennierenhormon Dehydroepiandrosteron

Viel eingesetzt, frei verkäuflich und nicht als Arzneimittel zugelassen: das Dehydroepiandrosteron (DHEA), ein Nebennierenhormon. Das körpereigene Steroid und Vorläuferhormon wird im Körper sowohl zu Östrogenen als auch zu Androgenen umgewandelt. Hochwertige Studien haben keine signifikanten Effekte auf wichtige metabolische Parameter oder das Wohlbefinden ergeben. „Langzeitdaten zu Krankheitshäufigkeit und Mortalität fehlen ganz und bezüglich der Risiken und Nebenwirkungen kann man nur verlässlich sagen, dass sie im Beobachtungszeitraum bis maximal zwei Jahren nicht besorgniserregend waren“, sagt Professor Dr. med. Sven Diederich, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie und Ärztlicher Leiter Medicover Deutschland.

Das Wachstumshormon (Growth Hormon)

Das verschreibungspflichtige Medikament Wachstumshormon (Growth Hormon) dient dazu einen hochgradigen Mangel, beispielsweise eine Hypophysen-Vorderlappeninsuffizienz, auszugleichen. Mit Wachstumshormonen können Minderwuchs beim Kind, oder beim Erwachsenen Stoffwechselstörungen, Veränderungen der Körperkomposition (Fett- und Muskelverteilung) und Verschlechterung der Lebensqualität behandelt werden. Placebokontrollierte Studien zur Wachstumshormonsgabe bei Älteren haben jedoch nur einen minimalen günstigen Effekt auf die Fettverteilung gezeigt. „Da aber durchaus negative Effekte bezüglich des Zuckerstoffwechsels, der Wassereinlagerungen und der Gelenkschmerzen dokumentiert wurden und mögliche Effekte auf eine Krebsförderung vorhanden sind, sollte auf die Gabe des Wachstumshormons ganz verzichtet werden“, sagt Diederich.

Melatonin: Die versprochenen Effekte stammen aus Tierexperimenten

Auch bei Melatonin sind die Versprechungen der Anbieter groß. Das Hormon der Zirbeldrüse ist freiverkäuflich und wird häufig zum Anti-Aging und als antioxidativer Radikalfänger angepriesen. Doch placebokontrollierte klinische Studien beim Menschen sind schwer zu finden. Die versprochenen Effekte stammen aus Tierexperimenten mit zum Teil hohen Dosierungen. Positive Effekte sind allenfalls für das Schlafverhalten dokumentiert. „Bezüglich möglicher negativer Effekte und Nebenwirkungen kann jedoch Entwarnung gegeben werden“, sagt Diederich. Das Melatonin ist kein klassisches Schlafmittel mit sedierender Wirkung. Es gibt lediglich das Signal für die Regelzentren und erhöht damit den Schlafdruck.

Testosteron: ernüchternde Forschungsergebnisse

Ab etwa dem 40. Lebensjahr sinkt der Testosteronspiegel des Mannes jedes Jahr um ein bis zwei Prozent, was zumeist keine spürbaren Auswirkungen hat. Von einem Testosteronmangel mit Folgen wie Libidomangel und andere Symptomen wie erektiler Dysfunktion sind in Deutschland nur drei bis fünf Prozent der 60- bis 79-jährigen Männer betroffen. Ihnen hilft eine Ergänzungstherapie mit dem männlichen Sexualhormon. Diejenigen, die darauf hoffen, durch Testosteron depressiven Verstimmungen, Gewichtszunahme, Müdigkeit, Nervosität und nachlassender sexueller Potenz entgegenzutreten, werden auch hier wieder durch die Forschungserbnisse ernüchtert. Placebokontrollierte klinische Studien zur Testosterongabe beim älteren Mann zeigen ganz wenige positive Effekte – und diese lediglich auf die Libido. „Da Langzeitdaten bezüglich der Sicherheit nicht vorliegen und Hinweise für einen möglichen negativen Effekt auf das Herzinfarktrisiko bestehen, sollte auch hier sehr vorsichtig und mit guter Aufklärung der Patienten vorgegangen werden“, sagt Diederich.

Fazit und wie Sie den Alterungsprozess positiv beeinflussen

Anti-Aging-Effekte durch Hormongaben im Alter sind nicht belegt. Sie verursachen Kosten und sollten aufgrund potentieller Risiken nur in klinischen Studien durchgeführt werden. Um den Alterungsprozess positiv zu beeinflussen und eine hohe Lebensqualität zu erhalten, wird vielmehr zu Gewichtsreduktion in der zweiten Lebenshälfte und regelmäßigem moderaten Sport geraten. Vor allem die Auswirkungen der Gewichtsreduktion sind besser belegt. Sie hat zum Teil auch positive Effekte auf die eigene Hormonproduktion im Alter. „Ein Body-Mass-Index von unter 25 ist eine gute Anti-Aging-Maßnahme, dazu Bewegung und moderater Sport“, sagt Diederich.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 05.10.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie vom 18. September 2018: Anti-Aging-Hormone halten meist nicht, was sie versprechen. Endokrinologen setzen auf andere Maßnahmen