Wenn die Kraft im Alter fehlt

Altersbedingte Veränderungen in den peripheren Nerven können die Lebensqualität drastisch einschränken. Würzburger Wissenschaftler haben jetzt Makrophagen als Auslöser dieser Veränderungen identifiziert und eine Therapiemöglichkeit vorgestellt.

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(Würzburg – 01.08.2018) Da die Menschen immer älter werden, nehmen auch altersbedingte Krankheiten, die zum Beispiel das Nervensystem betreffen, zu. Dazu gehören krankhafte Veränderungen im Gehirn, wie Morbus Alzheimer, aber auch im peripheren Nervensystem – es versorgt unter anderem die Muskeln und die Sinnesstrukturen der Haut.

Krankhafte Veränderungen im peripheren Nervensystem: Schmerzen und Muskelschwäche

Mit zunehmendem Alter gehen manchmal krankhafte Veränderungen im Nervensystem einher. Die Folge: Betroffene leiden oft unter Missempfindungen und quälenden Schmerzen in den Extremitäten. Außerdem schränkt die zunehmende Muskelschwäche die Mobilität deutlich ein und kann zu gefährlichen Stürzen führen, die den Verlust der Selbstständigkeit nach sich ziehen können.

Proben weisen eine erhöhte Anzahl von Makrophagen in den peripheren Nerven auf

Wissenschaftler der Neurologischen Klinik des Würzburger Universitätsklinikums untersuchten nun in einer Studie die Veränderungen der peripheren Nerven bei älteren Menschen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Journal for Neuroscience veröffentlicht. „In Zusammenarbeit mit Kollegen der Universität Aachen haben wir zuerst systematisch die Veränderungen erfasst, die sich in peripheren Nerven von Menschen im Alter zwischen 65 und 79 Jahren finden“, sagt Professor Rudolf Martini, Leiter der Sektion Experimentelle Entwicklungsneurobiologie an der Neurologischen Klinik in Würzburg.  

In den Proben fanden die Forscher eine erhöhte Anzahl von Makrophagen. Makrophagen sind Zellen, die zum Abwehr- und Entsorgungssystem des Körpers gehören. Sie nehmen beispielsweise Krankheitserreger, Fremdpartikel sowie alternde Körperzellen auf und verdauen und entsorgen diese. Sie setzten Entzündungsprozesse in Gang, helfen Wunden zu heilen und reinigen das Gewebe. Allerdings richten sie bei bestimmen Erkrankungen Schaden an.

Wirken sich hier Makrophagen negativ auf den Gesundheitszustand aus?

Die Wissenschaftler untersuchten weiter, ob sich die Makrophagen negativ auf den Gesundheitszustand auswirken, wenn altersbedingte degenerative Veränderungen in den Nerven vorliegen. „Wir haben dafür die Nerven von 24 Monate alten Mäusen genau untersucht, was für Mäuse schon ein ziemlich hohes Alter ist“, sagt Rudolf Martini. Es zeigte sich: Die altersbedingten Veränderungen der peripheren Nerven der Mäuse ähneln denen der Menschen sehr. Wie beim Menschen war auch bei Mäusen die Anzahl der Makrophagen erhöht. Ebenso hatten die älteren Tiere weniger Kraft als jüngere und ihre motorischen Endplatten – die Synapsen zwischen Nerven und Muskelfasern – funktionierten schlechter.

Erfolgreiche Therapie im Tierversuch

In einem weiteren Schritt untersuchten die Forscher, ob Makrophagen als Auslöser dieser negativen Veränderungen in Frage kommen. Dafür haben sie Mäusen im fortgeschrittenen Alter von 18 Monaten eine spezielle Substanz im Futter verabreicht, die ein Absterben der Makrophagen bewirkte. „Nach sechsmonatiger Behandlung konnten wir feststellen, dass die degenerativen Altersveränderungen in den behandelten Mäusen wesentlich schwächer ausgeprägt waren.“, sagt Professor Rudolf Martini. Dementsprechend hatten die Tiere, die diese Behandlung erhalten hatten, stärkere Muskeln und ihre motorischen Endplatten waren besser erhalten.  

„Unsere Studie zeigt nicht nur einen kausalen Zusammenhang von entzündlichen Reaktionen in alternden Nerven mit degenerativen Alterungsprozessen, sondern auch eine potenzielle Therapierbarkeit.“, sagt Professor Rudolf Martini. So kann eine gezielte und möglichst spezifische Behandlung altersbedingter Entzündungsreaktionen,die von Makrophagen ausgehen, erfolgen. Dadurch könnte die Struktur und Funktion der Nerven verbessert werden, was zu einer verbesserten Mobilität und höheren Lebensqualität führen könnte.

Ergebnisse für Infektionen und Diabetes von Bedeutung

Außerdem sind diese Erkenntnisse für Infektionen oder – den im Alter häufigen – chronischen Krankheiten wie Diabetes mellitus von Bedeutung. Auch hier laufen im Körper Entzündungsreaktionen ab, die ein zusätzliches Risiko für alternde Nerven darstellen.

Weitere Untersuchungen geplant

Weitere Untersuchungen sollen nun herausfinden, wie es zur altersbedingten Entzündungsreaktion im Nerven kommt und welche Zellen für die erhöhte Anzahl der Makrophagen verantwortlich sind. Außerdem wollen die Wissenschaftler erforschen, ob es neben einer medikamentösen Therapie andere Ansätze zur Behandlung der degenerativen Veränderungen gibt – beispielsweise spezielle physiotherapeutische Trainingsprogramme, die bereits bei anderen entzündlichen Erkrankungen helfen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 01.08.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg vom 15.06.2018: Wenn die Kraft im Alter fehlt.