Macht Pflege krank?

Die Familie versorgen, im Beruf bestehen und sich um den kranken Angehörigen kümmern – Pflegende sind oft extremen Belastungen ausgesetzt. Darunter leidet die eigene Gesundheit. Eine Krankenkasse hat nun Daten vorgelegt, die das belegen.

Junge Frau und alter Mann © iStock
(München – 14.05.2018) Die Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK) hat untersucht, ob Pflege tatsächlich krank macht und dafür eigene Daten analysiert und daraus erste Erkenntnisse gewonnen.

Datenerhebung und Datenanalyse ob Pflege krank macht

Die Krankenkasse wertete eigene Daten von 2.239 Personen aus, die nicht in Pflegeberufen tätig und zwischen 21 und 70 Jahre alt waren und verglich sie mit Daten der übrigen Versicherten derselben Altersgruppe. Die meisten Pflegenden kümmerten sich um Familienangehörige – nur in Einzelfällen pflegten sie Personen, mit denen sie nicht verwandt waren.

Verglichen wurden die durchschnittliche Zahl festgestellter Diagnosen sowie die Leistungsausgaben je Versicherten. Die Höhe der Leistungsausgaben lässt Rückschlüsse auf Dauer und Intensität von Erkrankung und Therapie zu. Die Ausgaben wurden in nicht stationäre – Arzt, Arzneimittel – und stationäre – Krankenhaus – unterteilt.

Pflegende Angehörige gehen öfter zum Arzt

Die Datenanalyse ergab, dass neun von zehn der Pflegenden weiblich und zwei Drittel zwischen 41 und 60 Jahre alt sind. Außerdem zeigt die Analyse, dass, mit Blick auf chronische und schwerwiegende Krankheiten, pflegende Angehörige deutlich kränker sind als durchschnittliche Versicherte – plus 25 Prozent. Die betroffenen Pflegepersonen leiden außerdem vermehrt unter Krankheiten wie Depressionen oder chronischem Schmerz: Jeder Fünfte der pflegenden Angehörigen ist von einer Depression betroffen – bei den Nicht-Pflegenden nur jeder Zehnte. Damit kommt die Depression unter pflegenden Angehörigen doppelt so häufig vor wie im Durchschnitt. Dass Pflegende kränker sind, zeigt sich auch an den Leistungsausgaben der SBK: Denn sie waren bei den pflegenden Angehörigen um 32 Prozent höher als bei Personen.

Deutlich weniger stationäre Behandlung

Blickt man auf die Daten aus dem Bereich stationäre Behandlung, ergibt sich ein anderes Bild. Denn obwohl Pflegende insgesamt häufiger unter chronischen und schwerwiegenden Krankheiten leiden, sind sie nicht öfter oder länger im Krankenhaus – die Krankenkasse gibt im Bereich stationäre Behandlungen zwölf Prozent weniger pro pflegenden Angehörigen aus. Besonders deutlich zeigt sich dieses Verhältnis bei pflegenden Angehörigen im Alter zwischen 61 und 70 Jahren: Hier liegen die Gesamtausgaben für stationäre Behandlung rund 50 Prozent unter dem Durchschnitt.

Problematik in der Pflege

Die Datenauswertung der SBK ist keine wissenschaftliche Studie, dennoch weisen die Zahlen auf eine bestehende Problematik für pflegende Angehörige hin: Demzufolge sind sie kränker als der Durchschnitt der Versicherten. Die Krankenkasse vermutet, dass dies auf die hohe körperliche und seelische Mehrfachbelastung durch Pflege, Beruf und Familie zurückzuführen ist.

Aber wieso werden Pflegende dann seltener im Krankenhaus behandelt? Die Versicherung vermutet, dass Pflegende aus Rücksicht auf ihr pflegebedürftiges Familienmitglied auf eine stationäre Behandlung in einer Klinik verzichten.

Mehr Entlastung für pflegende Angehörige

Laut der Krankenkasse ist es wichtig, dass die Politik den Pflegeberuf stärkt und mehr Pflegekräfte einstellen möchte. „Aber auch Angehörige müssen gestärkt und unterstützt werden, wenn sie Eltern oder Geschwister zuhause pflegen. Wenn jemand ein pflegebedürftiges Familienmitglied zuhause versorgt, darf er dafür nicht mit seiner Gesundheit bezahlen. Darüber hinaus gibt es gerade in ländlichen Gegenden zu wenige Angebote und unzureichende Pflegemöglichkeiten durch Pflegedienste. Die Pflegeleistungen, die in der häuslichen Pflege als Unterstützung dienen, sollten daher dringend ausgebaut werden“, sagt Sandra Deike, die für den Bereich Pflege bei der SBK verantwortlich ist.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 14.05.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemeldung der Siemens-Betriebskrankenkrasse vom 09.05.2018: Macht Pflege krank? Eine Analyse der SBK zeigt, dass Pflegende öfter chronisch krank sind und jeder Fünfte unter Depressionen leidet. Pressemeldung der Siemens-Betriebskrankenkrasse vom 09.05.2018: Macht Pflege krank? Pflegende sind öfter chronisch krank, jeder Fünfte leidet unter Depressionen.