Sarkopenie: Muskelabbau im Alter

Viele ältere Menschen leiden unter übermäßigem Muskelschwund – der sogenannten Sarkopenie. Mit bestimmten Maßnahmen lässt sich der Muskelabbau bremsen.

Älteres Paar isst zusammen © iStock
(Köln – 28.09.2017) Wenn Menschen im Laufe des Lebens körperlich schwächer werden, gilt das oft als harmlose Alterserscheinung. Es leiden jedoch 50 Millionen Menschen weltweit unter so starkem, altersbedingtem Muskelschwund – der sogenannten Sarkopenie –, dass sie dadurch Gefahr laufen, zu stürzen oder ihren Alltag nicht mehr selbstständig bewältigen zu können. Laut der Europäischen Arbeitsgruppe für Sarkopenie bei älteren Menschen könnte diese Zahl in den nächsten 40 Jahren auf mehr als 200 Millionen Betroffene weltweit steigen. „Sarkopenie ist eine ernstzunehmende Gesundheitsgefahr“, sagt Tommy Cederholm, Professor für Klinische Ernährung an der Universität Uppsala in Schweden. „Das größte Problem ist die mangelnde Aufmerksamkeit – auch unter Fachleuten. Dabei kann man den Verlauf des Muskelschwunds bremsen.“

„Wir sprechen von Sarkopenie, wenn sowohl die Muskelmasse als auch die Muskelfunktion abnimmt“, so Cederholm. Etwa ab dem 30. Lebensjahr beginnt ein physiologischer Umbau von Muskulatur in Fettgewebe von 0,3 bis 1,3 Prozent pro Jahr. „Unternimmt man nichts dagegen, gehen so rund 30 bis 50 Prozent der Muskelmasse bis zum 80. Lebensjahr schleichend verloren“, sagt Professor Dr. Cornel C. Sieber von der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Doch eine gute Muskulatur ist die Voraussetzung für körperliche Leistungsfähigkeit. „Sie ist auch entscheidend, um alltägliche Aktivitäten wie etwa Aufstehen, Anziehen, Treppensteigen oder Einkäufe selbstständig zu bewältigen“, sagt der Geriater. Auch hilft eine trainierte Muskulatur, die Sturzgefahr zu vermindern. Sie erhöht die Widerstandskraft und trägt dazu bei, Herz-Kreislauf-System, Stoffwechsel und Gehirnfunktionen aufrechtzuerhalten.

150 Minuten körperliche Aktivität pro Woche – aufgeteilt auf fünf Tage

Für die Erholung nach einer Operation ist ein gutes Muskelkorsett ebenfalls hilfreich: „Wenn der Patient aktiv mitarbeiten kann, gelingen Frühmobilisation und Rehabilitation besser“, so Sieber. „Muskelaufbau ist bis ins höchste Alter möglich.“ Deshalb rät der Experte, jede Gelegenheit zu nutzen, um körperlich aktiv zu sein. „Gerade ältere Menschen, die ohnehin viel sitzen, sollten längere Sitzperioden regelmäßig durch Aufstehen und ein paar Schritte Gehen für wenige Minuten unterbrechen.“ Optimal wäre eine gezielte körperliche Aktivität von 150 Minuten pro Woche – aufgeteilt in fünf Einheiten an verschiedenen Tagen.

Falsche Ernährung kann den Kraftverlust beschleunigen

Neben mangelnder Bewegung und chronischen Krankheiten kann vor allem auch die Ernährung den Kraftverlust beschleunigen. Ältere Menschen verbrauchen weniger Energie, deshalb essen sie meist auch weniger als in jüngeren Jahren. Dabei reduzieren die meisten Menschen einfach die Gesamtmenge ihrer Mahlzeiten. „Im Alter kann der Körper jedoch Eiweiße schlechter verarbeiten“, erklärt Cederholm. „Deshalb müssten ältere Menschen eigentlich mehr Protein zu sich nehmen, um den Muskelabbau zu begrenzen.“

Essenzielle Aminosäuren gegen Muskelschwund

Die klinische Ernährungswissenschaft hat in den vergangenen Jahren insbesondere untersucht, welche Aminosäuren – also Bausteine der Eiweiße – zur Eindämmung des Muskelschwunds hilfreich sein könnten. „Der Fokus liegt dabei auf den essenziellen Aminosäuren, die der Mensch nur über die Nahrung aufnehmen kann“, sagt Cederholm. „Heute wissen wir, dass einige von ihnen eine größere Bedeutung für den Muskelaufbau haben als andere.“ Aktuell werde zudem zur Wirkung von Vitamin D geforscht. „Einige Studien deuten darauf hin, dass es wichtig für die Funktion der Muskeln ist“, so der Ernährungswissenschaftler. „Wir brauchen hierzu aber noch mehr Daten.“ Interessant ist auch ein möglicher Einfluss essenzieller Fettsäuren.

Kombination aus Krafttraining und der richtigen Ernährung

„Die Basis der Behandlung ist gezieltes Krafttraining – insbesondere für die größten Muskeln des Körpers“, sagt Cederholm. „Der zweite Pfeiler ist eine Ernährungsumstellung.“ Ältere Menschen sollten die Aufnahme von Kohlenhydraten und Fett reduzieren und dafür den Proteinanteil in ihrem Speiseplan erhöhen, rät der Experte. „Das Eiweiß sollte dabei nicht nur aus Fleisch stammen. Auch Fisch und Hülsenfrüchte sind wertvolle Eiweißquellen. Die Vielfalt zählt.“

Für die Zukunft wünscht sich Cederholm, dass Sarkopenie präventiv angegangen wird, also bereits bevor ein Mensch Einschränkungen erleidet. „Wir müssen das Wissen aus der Geriatrie auch auf jenen Teil der Bevölkerung ausdehnen, der auf das Alter zugeht.“ Zudem hofft er, dass sich aus der ernährungswissenschaftlichen Forschung weitere Behandlungsansätze ergeben. „Es ist absehbar, dass es gut ausbalancierte Nährstoffpräparate geben wird, die muskelaufbauende Effekte haben werden.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 28.09.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie: Muskelabbau und funktionelle Einschränkungen: „Mit guter Ernährung lässt sich Sarkopenie bremsen
  • Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM): Schwäche, Sturzgefahr, Knochenbrüche: Altersproblem Muskelabbau wird oft unterschätzt
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