Auszeit von der Pflege

Auch pflegende Angehörige brauchen mal eine Auszeit. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie der Pflegebedürftige dann betreut werden kann.

Seniorin wird in einer Pflegeeinrichtung betreut © iStock
(Düsseldorf – 04.08.2017) Bei vielen heißt es gerade: Endlich Sommer, Sonne, Strand – kurz: den wohlverdienten Urlaub genießen! Doch viele Angehörige, die einen hilfebedürftigen Menschen zu Hause betreuen und pflegen, gönnen sich selten eine Auszeit. Häufig, weil sie schlichtweg nicht wissen, wie sie den Urlaub von der Pflege organisieren sollen. Dabei können schon ein paar Tage fernab des Alltags helfen, neue Kraft zu tanken und die Aufgaben zu Hause besser zu meistern. Für eine Verschnaufpause können Angehörige verschiedene Leistungen bei der Pflegekasse beantragen und miteinander kombinieren, so die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Hier finden Sie Tipps, wie Sie sich als pflegender Angehöriger eine Auszeit gönnen und mal wieder tief durchatmen können.

Verhinderungspflege

Ganz egal, ob eine Familienfeier, ein Arztbesuch oder eine Reise ansteht: Pflegende Angehörige können für solche Gelegenheiten bis zu 42 Tage im Jahr Verhinderungspflege beziehungsweise Ersatzpflege von der Pflegekasse bekommen. Bis zu 1.612 Euro übernehmen die Pflegekassen auf Antrag, wenn Pflegende eine Auszeit nehmen wollen und Pflegebedürftige von Außenstehenden versorgt werden müssen. Dies gilt auch, wenn private Helfer dabei von einem professionellen Dienst unterstützt werden. Gezahlt wird die Verhinderungspflege ab Pflegegrad zwei. Pflegende Angehörige oder Pflegepersonen haben jedoch erst einen Anspruch auf Leistungen, wenn sie bereits seit sechs Monaten im Einsatz sind. Die Leistungen müssen zuvor bei der Pflegekasse beantragt und vom Pflegebedürftigen unterschrieben werden.

Ersatz- oder Kurzzeitpflege

Wie eine Urlaubsvertretung im Einzelfall organisiert werden kann, sollte sich an den Bedürfnissen des Pflegebedürftigen orientieren. Verlassen etwa Hilfsbedürftige die gewohnte Umgebung nur ungern, ist es sinnvoll, jemanden zu beauftragen, der ihn zu Hause betreut, während der pflegende Angehörige sich eine Auszeit nimmt. Wer den Pflegebedürftigen rund um die Uhr versorgt wissen will, kann sich für eine Unterbringung und Versorgung in einer Kurzzeitpflegeeinrichtung entscheiden. Unterkunft und Mahlzeiten müssen Hilfsbedürftige in diesem Falle allerdings selbst zahlen. Viele Pflegeheime halten für diesen Zweck Betten bei Bedarf bereit. Interessenten sollten jedoch frühzeitig fragen, ob zum gewünschten Datum noch Plätze frei sind, da es Engpässe geben kann.

Ausnahmen

Übernimmt ein Nachbar, Freund oder entfernter Verwandter die Urlaubsvertretung, zahlt die Pflegekasse ebenfalls. Springt jedoch ein Familienmitglied ersten oder zweiten Grades ein – dazu zählen zum Beispiel Schwester oder Schwiegersohn – gibt es die Ersatzpflege nur in Höhe des Pflegegeldes. Dessen Höhe orientiert sich am bereits festgelegten Pflegegrad. Zusätzlich kommt die Kasse für Kosten auf, die durch die Übernahme der Pflege anfallen – etwa für Kinderbetreuung oder die Anfahrt zum Pflegebedürftigen. Insgesamt werden nicht mehr als 1.612 Euro gezahlt.

Gemeinsamer Urlaub in einem Pflegehotel

Wer nicht auf den gemeinsamen Urlaub verzichten will, kann den Pflegebedürftigen in einer Kurzzeitpflegeeinrichtung am Urlaubsort unterbringen, wenn es dort eine entsprechende Wohnanlage gibt. Auch immer mehr Pflegehotels bieten ihren bedürfnisorientierten Service für eine gemeinsame Unterbringung an. Auch hier kann bei anerkannten Hotels eine Kurzzeitpflege in Anspruch genommen werden. Diese Möglichkeiten gelten allerdings nur für Reiseziele innerhalb Deutschlands.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 04.08.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: Tipps für Auszeit der Pflege für Angehörige
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