Je älter, desto kränker?

Die Hälfte aller Kinder, die jetzt geboren werden, wird hundert Jahre oder älter. Doch ist ein solch hohes Alter auch mit mehr Krankheiten verbunden?

Fröhliche Senioren © iStock
(Berlin – 25.07.2017) Sind Hundertjährige Vorbilder für gesundes und erfolgreiches Altern? Oder ist besonders hohes Alter untrennbar mit zunehmenden Erkrankungen verbunden? Welche Erkrankungen häufen sich bei Menschen, die ein Alter von hundert oder mehr Jahren erreicht haben? Diesen Fragen sind Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin nachgegangen.

Höheres Alter bedeutet nicht gleich mehr Erkrankungen

Noch vor vierzig Jahren galt: Nur etwa ein Mensch von 10.000 erreichte in den Industrienationen das Alter von hundert Jahren oder sogar mehr. Heutzutage geht man davon aus, dass jedes zweite Kind, das in diesem Jahrhundert in einem entwickelten Land lebt, mindestens hundert Jahre alt wird. Ist hohes Lebensalter dabei gleichzeitig mit zunehmenden Erkrankungen verbunden? Es gibt Hinweise, dass Hundertjährige an weniger Erkrankungen leiden, verglichen mit jüngeren Kohorten hochaltriger Menschen. „Unser Ziel war es, darüber hinaus die Entwicklung der Anzahl der chronischen Erkrankungen – man nennt es Multimorbidität – und deren Verläufe am Lebensende bei Hundertjährigen besser zu verstehen“, erklärt Dr. Paul Gellert vom Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft der Charité.

Die Wissenschaftler haben Routinedaten der Kranken- und Pflegekasse Knappschaft über Diagnosen und Gesundheitsversorgung von rund 1.400 hochaltrigen Personen innerhalb der letzten sechs Jahren vor deren Tod untersucht. Für die Analyse wurden sie in drei Gruppen eingeteilt. Diejenigen, die als Hundertjährige starben, sind mit Zufallsstichproben von Menschen verglichen worden, die in ihren 80er oder 90er Jahren starben. Zuhause Lebende und Menschen in Pflegeeinrichtungen sind bei der Untersuchung gleichermaßen berücksichtigt worden.

Für die Auswertung waren vor allem jene Erkrankungen ausschlaggebend, die gewöhnlich mit einem Versterben während eines Krankenhausaufenthalts verbunden sind. „Im Quartal vor ihrem Tod wiesen Menschen, die als Hundertjährige verstarben, im Durchschnitt 3,3 Erkrankungen auf – im Vergleich zu durchschnittlich 4,6 Erkrankungen bei denjenigen, die als Achtzigjährige starben“, sagt Dr. Gellert. „Unsere Ergebnisse zeigen auch, dass der Zuwachs an Erkrankungen in den letzten Jahren vor dem Tod bei hochaltrigen Menschen geringer ausfiel, im Vergleich zu denjenigen, die mit 90 bis 99 Jahren oder 80 bis 89 Jahren starben.“

Hundertjährige leiden häufiger an Demenz und Herzschwäche

Bezieht man die im hohen Alter häufigen Demenzerkrankungen sowie Muskelskeletterkrankungen in die Auswertung ein, weist knapp die Hälfte der hundertjährig Verstorbenen fünf oder mehr Erkrankungen auf – wobei bereits mehr als 60 Prozent der 90-jährig Verstorbenen und 66 Prozent der 80-jährig Verstobenen auf dieselbe Anzahl an Erkrankungen kommt. Während Demenz und Herzinsuffizienz bei Hundertjährigen häufiger anzutreffen sind als bei den jüngeren Hochaltigen, sind Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Niereninsuffizienz und chronische Erkrankungen seltener bei den hundertjährig Verstorbenen. Muskelskeletterkrankungen sind in allen Gruppen ähnlich häufig vertreten. Die Studie zeigt: Hohes Alter und Anzahl der Erkrankungen sind durchaus miteinander verbunden – das Ausmaß dabei muss allerdings differenziert betrachtet werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 25.07.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Charité – Universitätsmedizin Berlin: Gesellschaft im Wandel – 100 ist die neue 80
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