Wohlbefinden im Alter

Eine Studie zeigt: Wie es um das Wohlbefinden im Alter bestellt ist, hängt zu einem großen Teil von der geistigen Gesundheit ab.

Seniorenpaar ist glücklich und lacht © iStock
(München – 12.07.2017) Das Wohlbefinden im Alter hängt maßgeblich von psychosozialen Faktoren ab – körperliche Beeinträchtigungen spielen eher eine untergeordnete Rolle, zeigen Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München und der Technischen Universität München. „Das Altern an sich ist nicht zwangsläufig mit einem Rückgang der Lebensfreude und Lebensqualität verbunden“, fasst Prof. Dr. Karl-Heinz Ladwig, Leiter der Gruppe Mental Health am Institut für Epidemiologie II des Helmholtz Zentrums München und Professor für psychosomatische Medizin am Klinikum rechts der Isar der TU München, die Ergebnisse zusammen. „Vielmehr beeinträchtigen psychosoziale Faktoren wie Depressionen oder Angststörungen das subjektive Wohlbefinden. Bei Frauen spielt zudem das Alleinsein auch eine wichtige Rolle.“

Einfluss von emotionalem Stress auf das Wohlbefinden bisher kaum untersucht

Für die aktuelle Arbeit griffen Ladwig und sein Team auf Daten von rund 3.600 Probanden mit einem Durchschnittsalter von 73 Jahren zurück. Sie waren im Rahmen der Augsburger Bevölkerungsstudie KORA-Age befragt worden. „Die Studie war vor allem vor dem Hintergrund interessant, dass der Einfluss von emotionalem Stress auf das Wohlbefinden bisher kaum in einem breiteren, nicht-klinischen Zusammenhang untersucht wurde“, erklärt PD Dr. Karoline Lukaschek, Epidemiologin in der Arbeitsgruppe Mental Health und Erstautorin der Arbeit. „Unsere Studie schloss daher Angststörung, Depressionen und Schlafstörungen explizit mit ein.“

Mehr Frauen als Männer mit niedrigem subjektivem Wohlbefinden

Die Wissenschaftler bestimmten das Wohlbefinden über einen fünfteiligen Fragebogen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dessen Auswertung Werte von 0 bis 100 zulässt – der sogenannte WHO-5-Wohlbefindens-Index. Für ihre Analysen teilten sie anschließend die Ergebnisse der Probanden in „hoch“ (Index höher als 50) und „niedrig“ (Index niedriger oder gleich 50) ein. Die folgende Auswertung ergab bei einer Mehrheit (79 Prozent) der Befragten ein hohes subjektives Wohlbefinden. Durchschnittlich lagen die Werte zudem über dem von der WHO festgesetzten Grenzwert von 50. In der „niedrig“-Gruppe befanden sich allerdings auffällig oft Frauen: rund 24 Prozent gegenüber rund 18 Prozent bei den Männern.

Depressionen und Angststörungen größtes Risiko

Auf der Suche nach den Ursachen konnten die Wissenschaftler vor allem psychosoziale Faktoren ermitteln: Besonders Depressionen und Angststörungen hatten den stärksten Effekt auf das Wohlbefinden. Negative Einflüsse hatten zudem ein niedriges Einkommen und Schlafstörungen. Schlechte körperliche Gesundheit – etwa geringe sportliche Aktivität oder sogenannte Multimorbidität – schien wenig Einfluss auf die Lebenszufriedenheit zu haben. Bei Frauen erhöhte außerdem das Alleinleben signifikant die Wahrscheinlichkeit für ein niedriges Wohlbefinden.

„Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit machen deutlich, dass für ältere Menschen entsprechende Angebote und Interventionen eine große Rolle spielen können – besonders für alleinlebende ältere Frauen“, so Ladwig. „Vor allem, wenn man weiß, dass hohe Werte von subjektiv empfundenem ‚Well-being‘ mit einem geringeren Mortalitätsrisiko verbunden sind.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 12.07.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Helmholtz Zentrums München: Wohlbefinden im Alter: Auch die geistige Gesundheit zählt