Pflege: viel Neues ab 2017

Ab Januar 2017 wird sich in der Pflege einiges ändern. Für wen es sich lohnt, noch in diesem Jahr einen Antrag auf Pflegeleistungen zu stellen.

Mann füllt einen Antrag aus © Thinkstock
(Düsseldorf – 19.08.2016) Um die Situation von pflegebedürftigen Menschen zu verbessern, treten ab 01. Januar 2017 gravierende Änderungen in der Pflege in Kraft. Neu ist dann, dass sich die Feststellung von Pflegebedürftigkeit neben den körperlichen Handicaps stärker an den geistigen und psychischen Beeinträchtigungen orientiert. Dadurch soll sich die Pflege künftig besser am individuellen Bedarf der Betroffenen orientieren.  

Ein erweiterter Kreis von Anspruchsberechtigten wird von den neuen Regelungen profitieren. Diejenigen, die bereits Pflegeleistungen erhalten, haben in den meisten Fällen einen Anspruch auf den bisherigen Service. Wer jedoch ausschließlich wegen körperlicher Beeinträchtigungen ab 2017 einen Antrag auf Pflegeleistungen stellt, muss mit weniger Zuwendungen rechnen. Personen, die aufgrund nachlassender Kräfte künftig in einer stationären Einrichtung leben, werden zum Teil bei den Pflegeleistungen mit einem höheren Eigenanteil zur Kasse gebeten. „Wer bereits mit dem Gedanken spielt, einen Antrag auf Pflegebedürftigkeit zu stellen, sollte dies noch in diesem Jahr tun. Schnelles Handeln wird mit großzügigen Übergangsregelungen und kürzeren Wartezeiten bei der Bewilligung von Anträgen belohnt“, so die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Wie Betroffene vorsorglich auf die neue Situation bei der Pflege ab 2017 reagieren können, erfahren Sie hier.

Pflegegrade statt Pflegestufen

Künftig wird Pflegebedürftigkeit nach dem Grad der Selbstständigkeit im Alltag und nach der Abhängigkeit von personeller Hilfe bemessen. Die Einteilung in drei Pflegestufen wird ab Januar 2017 von der Eingliederung in fünf Pflegegrade abgelöst. Pflegebedürftige in Pflegestufe I und II etwa werden in Pflegegrad 2 und 3 umgruppiert. Grundsätzlich gilt: Je höher der Pflegegrad, desto höher die Leistungen, die der Pflegebedürftige erhält. Menschen, bei denen eine erhebliche Einschränkung der Alltagskompetenz besteht, erhalten einen höheren Pflegegrad als Menschen, die mit körperlichen Beeinträchtigungen zu kämpfen haben.  

Wer schon eine Pflegestufe hat, wird automatisch dem entsprechenden Pflegegrad zugeordnet. Alle anderen müssen einen Antrag stellen. Nimmt die Pflegebedürftigkeit einer Person zu, kann jederzeit eine erneute Begutachtung zur Einstufung in einen höheren Pflegegrad bei der Pflegekasse beantragt werden.

Pflegeantrag noch in diesem Jahr stellen

Da sich die Bemessung von Pflegeleistungen künftig stärker an den geistigen und psychischen Beeinträchtigungen von Pflegebedürftigen orientiert, kann es für Personen, die ausschließlich unter körperlichen Beeinträchtigungen leiden, schwieriger werden, einen hohen Pflegegrad zu erreichen. Für diesen Personenkreis empfiehlt es sich besonders, noch in diesem Jahr einen Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung zu stellen. Dadurch bleiben die Ansprüche auch über den Jahreswechsel hinaus erhalten.

Leben im Pflegeheim: höhere Eigenleistung bei niedrigem Pflegegrad

Derzeit hängt die Höhe der Eigenleistung von der Pflegestufe ab. Künftig wird im Pflegeheim jedoch jeder Bewohner den gleichen Betrag zahlen – unabhängig vom Pflegegrad. Allerdings gibt es ab dem kommenden Jahr für die niedrigeren Pflegegrade 2 und 3 in stationären Einrichtungen weniger Geld. In Pflegestufe I (Pflegegrad 2) werden dann 294 Euro weniger und in Pflegestufe II (Pflegegrad 3) 68 Euro weniger pro Monat gezahlt.  Aus diesem Grund wird die Zuzahlung für die unteren Pflegegrade wahrscheinlich deutlich ansteigen, während sie für die höheren Pflegegrade gleich bleibt oder sogar günstiger werden kann. Darauf müssen sich Menschen einstellen, die ab dem 1. Januar 2017 ins Pflegeheim einziehen.  

Diejenigen, die zum Jahreswechsel bereits in einer Pflegeeinrichtung wohnen, genießen Bestandsschutz: Sie zahlen weiterhin den gewohnten Betrag. Wer also konkret plant, in der nächsten Zeit in ein Pflegeheim zu ziehen, kann bei Einzug in diesem Jahr noch die höheren Leistungen wegen Pflegbedürftigkeit beantragen. Antragsteller werden nach den Bestimmungen eingestuft, die am Datum der Antragstellung galten. Diese Bewilligung bleibt dann ebenfalls bei der Umstellung auf das neue System erhalten.

Bestandsschutz für Pflege zu Hause

Wer zu Hause wohnt und versorgt wird, der erhält weiterhin die bisherigen Leistungen aus der Pflegeversicherung. Nach der Überleitung in einen Pflegegrad wird gleich viel oder sogar mehr gezahlt werden. Dieser sogenannte Schutz des Besitzstandes gilt lebenslang – auch bei einem Wechsel der Kranken- und Pflegekasse. Ausnahmen gelten, wenn die Einschränkungen zunehmen und der Pflegegrad angehoben wird oder wenn bei einer erneuten Begutachtung festgestellt wird, dass keine Pflegebedürftigkeit mehr besteht.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 19.08.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: Änderungen in der Pflege 2017
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