Umgang bei Demenz

Rufen, Weglaufen, apathisches Dasitzen: Wie Pflegende mit herausforderndem Verhalten von Menschen mit Demenz umgehen können.

Seniorenpaar sitzt auf der Couch © Thinkstock
(Witten/Herdecke – 21.06.2016) Stundenlanges monotones Rufen: „Hallo!“, „Hallo!“, „Hallo!“, unvermitteltes Aufstehen und wieder Hinsetzen, Klopfen auf den Tisch, wiederholtes Weglaufen, Schlagen oder auch schlicht apathisch dasitzen – die Formen von herausforderndem Verhalten, wie es die Forscher nennen, sind vielfältig. Juniorprofessorin Dr. Margareta Halek ist Pflegewissenschaftlerin an der Universität Witten/Herdecke (UW/H) und erforscht diese Ausdrucksformen der Menschen mit Demenz, die viele Pflegende und Familienangehörige an Belastungsgrenzen bringt. „Wir sehen dieses Verhalten als eine Mitteilung, die wir erst einmal nicht verstehen und mühsam entschlüsseln müssen. Aus Sicht der Menschen mit Demenz sind diese Ausdrucksformen eine Reaktion auf das, was in der Umgebung im Zusammensein mit anderen passiert“, erklärt Prof. Halek den Forschungsansatz.

Wie mit den Verhaltensänderungen umgehen?

Und als Konsequenz daraus ergeben sich mögliche Formen des Umgehens damit: Herauszufinden, was den Demenzkranken vermutlich umtreibt, und darüber seine Situation zu ändern. In vielen Fällen muss sich das Umfeld ändern, um demenzbedingten Einschränkungen zu begegnen. „Nach allem, was wir wissen, ändert sich dann auch das Verhalten des Betroffenen. Aber der Weg ist zugegeben schwierig“, so die Expertin. Denn man muss sich aufwendig mit der Person befassen – zum Beispiel mit Biografie, Psyche und Gesundheitszustand des Menschen – um einen Ansatz zu entwickeln.

Probleme bei der Morgenpflege

„Bei der Morgenpflege zum Beispiel gibt es ganz oft Krach. Eigentlich nicht verwunderlich. Denn wenn beim Toilettengang, beim Waschen oder beim Zähneputzen stets jemand dabei ist, überschreitet das alle Regeln von Abstand und Intimsphäre“, erklärt Halek. Sie empfiehlt, genau hinzusehen: Hat der Mensch früher auch immer geduscht oder wird er lieber mit dem Waschlappen gewaschen? Gibt es Dinge im Bad, die stören? Oder leidet er unter Schmerzen? Das alles können Auslöser für scheinbar unverständliches Verhalten sein.

Bewegung in sicherer Umgebung

„Dann gibt es Menschen, die immer wieder in Bewegung sind. Das sind oft Menschen, die früher sehr aktiv und bewegungsfreudig waren. Bewegung ist Teil ihrer Identität. Sie in diesem Drang einzuschränken, könnte ein denkbarer Auslöser für zum Beispiel aggressives Verhalten sein.“ Halek rät in solch einem Fall, die Personen in ihrem Bewegungsdrang nicht einzuschränken und vielmehr das Umfeld so zu gestalten, dass keine Unfallgefahr besteht.

Zettel mit Namen und Wohnort

Sollte jemand verloren gehen, sind Zettel mit Namen und Wohnort – in einer SOS-Kapsel umgehängt – hilfreich. Auch Technikeinsatz wie GPS-Systeme reduzieren die Risiken des Bewegungsdrangs. „Es gibt fast immer einen nachvollziehbaren Grund für die scheinbar grundlosen Reaktionen. Es ist nur sehr langwierig und erfordert fast schon detektivisches Geschick, ihn zu erkennen“, so die Expertin.

Deeskalationstechniken erlernen

Allerdings gibt es auch Situationen, die sich trotz Bemühungen nicht erklären lassen und keine sinnvolle Maßnahme ergriffen werden können. Hier benötigen dann insbesondere Pflegende und Angehörige Unterstützung, wie mit Hilflosigkeit umzugehen ist. Geeignete Entlastungsangebote sind ebenfalls wichtig– sowie die Möglichkeit zur Reflexion zu haben und Gespräche führen zu können. Für den Umgang mit akuten Situationen wie zum Beispiel Aggressionen ist das Erlernen von Deeskalationstechniken hilfreich.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 21.06.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Universität Witten/Herdecke: Wie können Pflegende mit herausforderndem Verhalten von Menschen mit Demenz umgehen lernen
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