Vorsicht beim Autofahren

Bei Krankheiten wie dem Grünen Star oder AMD ist das Sehen beeinträchtigt. Was Betroffene beim Autofahren beachten sollten.

Mann fährt Auto © Thinkstock
(Berlin – 21.10.2015) Altersbedingte Makuladegeneration (AMD), Grüner Star und Morbus Alzheimer führen zu Einbußen bei der visuellen Wahrnehmung. Gestörte Reaktionsfähigkeit, falsche Einschätzung von Geschwindigkeiten, blinde Flecken im Gesichtsfeld sowie verminderte Sehschärfe bei Tag und in der Dämmerung sind häufige Folgen. Autofahren kann dann zur Gefahr werden. Was Betroffene und Angehörige tun können, um die Sicherheit im Verkehr zu erhöhen.

AMD und Grüner Star beeinträchtigen das Sehvermögen

Die Altersbedingte Makuladegeneration mindert die Sehschärfe am Tag und beeinträchtigt das Sehvermögen in der Dämmerung und bei Nacht. „Das kann dazu führen, dass der Fahrer Geschwindigkeiten von anderen Verkehrsteilnehmern falsch einschätzt oder dritte Personen vollständig übersieht“, sagt Prof. Dr. Karl Ulrich Bartz-Schmidt, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Augenklinik Tübingen.  

Beim Grünen Star – dem sogenannten Glaukom – zeigen sich darüber hinaus auch Defekte im Gesichtsfeld. Es entstehen gewissermaßen „Lücken“ in der Wahrnehmung, die den Betroffenen selbst oft gar nicht bewusst sind, weil das Gehirn diese blinden Flecken automatisch mit Informationen aus dem Umfeld auffüllt. „Das kann zur Folge haben, dass Fahrzeuge, Fußgänger oder Radfahrer komplett übersehen werden“, so Prof. Dr. Dr. Bernhard Lachenmayr, Vorsitzender der Verkehrskommission der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG). Studien belegen: Ist das Sehvermögen bei Dämmerung herabgesetzt, steigt das Risiko für Dunkelheitsunfälle. „Fahrer mit herabgesetzter Tagessehschärfe wiederum sind häufiger in Überholunfälle verwickelt, die leider oft tödlich enden“, sagt der Experte.

Auch tagsüber mit Licht fahren

Um diese Gefahren zu reduzieren, sollten Betroffene und Angehörige Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. „Oftmals hilft es, nur noch tagsüber in bekanntem Umfeld zu fahren und auf Überholmanöver zu verzichten“, erklärt Lachenmayr. Auch der Tipp, Brille und Windschutzinnenscheibe regelmäßig zu reinigen sowie auf getönte Frontscheiben zu verzichten, ist sinnvoll – denn zusammen mit ungünstigen Wetterverhältnissen können all diese Faktoren den Lichteinfall ins Auge um mehr als zwanzig Prozent verringern.  

„Zusätzlich erscheint es sinnvoll, wenn die Betroffenen auch bei Tag mit Scheinwerferlicht fahren, am besten mit einem echten Tagfahrlicht“, so der Experte. Dadurch wird der Fahrer besser von anderen Verkehrsteilnehmern und Fußgängern wahrgenommen, was deren Sicherheit erhöht. Zusätzliche elektronische Hilfen wie Nachtsichtgeräte können dagegen schnell zu einer Überforderung des Fahrers führen, der ohnehin an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit operiert.

Fahrverbot, wenn es nicht mehr geht

Verschlimmert sich die Kondition des Fahrers allerdings weiter und ist Gefahr in Verzug, muss der behandelnde Arzt ein Fahrverbot aussprechen. „Dem nachzukommen, fällt vielen Betroffenen schwer“, sagt Lachenmayr. Häufig mangele es auch an Einsicht, vor allem bei Alzheimer-Patienten. „Dann müssen Dritte wie Hausarzt und Familienangehörige mithelfen und Überzeugungsarbeit leisten“, so Lachenmayr. Im Extremfall kann der Augenarzt bei den Behörden ein Fahrverbot vorschlagen, die dann den Entzug der Fahrerlaubnis veranlassen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 21.10.2015
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Ophtalmologischen Gesellschaft: Wenn die Augen nicht mehr mitspielen: Bei Grünem Star auch tagsüber mit Licht Auto fahren
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