Warnsignale wahrnehmen

Häufig wird die Überlastung pflegender Angehöriger erst spät bemerkt. Auf welche Anzeichen Sie achten sollten und was dann zu tun ist.

Mutter und pflegende Tochter © Thinkstock
(Berlin – 21.03.2014) Rund 1,8 Millionen Menschen, also gut zwei Drittel aller Pflegebedürftigen in Deutschland, werden zu Hause versorgt. Bei etwa  1,2 Millionen von ihnen übernehmen die Angehörigen die Pflege. Der Pflegebedürftige steht im Mittelpunkt – die psychische Belastung der Pflegenden wird dabei allzu oft vergessen. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) hin. Die Fachgesellschaft rät Pflegenden, möglichen Anzeichen mehr Beachtung zu schenken.

„Studien haben gezeigt, dass der oder die Pflegende oft gleiche oder sogar höhere Werte psychischer Belastung zeigt, als der Kranke selbst. Bedeutsame psychosomatische Symptome finden sich bei pflegenden Angehörigen in 15 bis 50 Prozent der Fälle“, erklärt Dr. Klaus Hönig, Leiter der Konsiliar- und Liaisonpsychosomatik der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm. Im Vergleich dazu leiden 20 bis 30 Prozent der an Krebs erkrankten Patienten an psychischen Störungen, wobei die Zahlen mit fortschreitender Erkrankung ansteigen.

Alarmsignale beachten – Hilfe annehmen

Gemeinsam mit der Universität Leipzig erforscht Hönig, inwieweit sich die psychische Bewältigung von Krebserkrankungen auf die Beziehung zwischen dem Erkranktem und dessen Partner sowie den Behandlungsverlauf selbst auswirkt. „Dabei haben wir festgestellt, dass die Qualität der gemeinsamen Krankheitsbewältigung von Patienten und pflegenden Angehörigen eine zentrale Rolle für den Krankheits- und Behandlungsverlauf des Pflegebedürftigen spielt und somit auch die psychische Gesundheit der Pflegenden zunehmend in den Blick gerät“, sagt der Experte.

Er rät dazu, Alarmsignalen wie Gereiztheit, Ängste, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Erschöpfung und sozialem Rückzug Beachtung zu schenken. Ärzte, die den Erkrankten behandeln, nähmen derartige Belastungen bei pflegenden Angehörigen oft nicht ausreichend wahr, so Hönig: „Wenn die Anzeichen auftreten, hat die psychische Belastung jedoch schon ein Ausmaß angenommen, bei dem ich dazu rate, psychosoziale Beratung, Begleitung oder auch psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch zu nehmen.“ Die DGPM empfiehlt in diesem Fall, die Pflegenden spürbar zu entlasten – zum Beispiel durch die sogenannte Brückenpflege, also die zeitweise Pflege durch ausgebildete Kräfte. Auch Psychosoziale Beratungsstellen und Psychoonkologische Dienste bieten Unterstützung an.

Pflegender darf eigenes Leben nicht gänzlich zurückstellen

Ein Grund für die psychische Belastung von Pflegenden sei häufig ein Mangel an Kommunikation. „Der Pflegebedürftige will nicht zur Last fallen und der Pflegende möchte ihm wiederum nicht das Gefühl geben, eine eben solche zu sein. Daraus entsteht ein Netzwerk gegenseitiger Rücksichtnahme, in dem vieles unausgesprochen bleibt.“ Eine klare und deutliche Ansprache der eigenen Belastungen, Wünsche und Bedürfnisse kann dieser Sprachlosigkeit entgegenwirken. Entscheidend ist auch, dass der Pflegende sein eigenes Leben nicht gänzlich zurückstellt – das hilft auch dem Pflegebedürftigen nicht. Krankheit oder Pflegebedürftigkeit dürften „das Leben des Pflegenden nicht dominieren. Es ist wichtig, die eigene Belastung wahrzunehmen, sich Ruhezeiten zu gönnen und dafür auch aktiv Unterstützung einzufordern“, sagt Hönig.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 21.03.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM)
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung