Tremor: verbesserte Therapie

Bisher linderte die Tiefe Hirnstimulation bei Tremor-Patienten zwar das Zittern, verschlechterte aber auch ihre Sprache. Ein neuer Ansatz verhindert das.

Frau versucht, Handy zu bedienen © Thinkstock
(Köln – 27.02.2014) Das familiäre Zittern – medizinisch essentieller Tremor genannt – ist die häufigste neurologische Bewegungsstörung. Nach Angaben der International Essential Tremor Foundation (IETF) ist etwa ein Fünftel aller Menschen über 65 Jahre davon betroffen. Beim essentiellen Tremor zittern die Arme und Hände, oft aber auch der Kopf und die Beine. Behandelt werden kann er mit der sogenannten Tiefen Hirnstimulation – wobei dabei bisher oft Sprachstörungen auftraten. Neurologen der Uniklinik Köln haben nun einen Weg gefunden, dies zu vermeiden.

Tiefe Hirnstimulation kann das Zittern reduzieren

„Das Leiden unserer Patienten im Alltag ist für uns als Gesunde kaum vorstellbar. Sie haben Probleme beim Schreiben, Essen und vielem mehr. Dabei helfen leider auch Medikamente in vielen Fällen nicht ausreichend“, sagt Prof. Dr. Lars Timmermann, Neurologe an der Uniklinik Köln. Durch die gezielte Platzierung von Elektroden zur Tiefen Hirnstimulation – einem sogenannten „Hirnschrittmacher“ – in einer bestimmten Gehirnregion kann das Zittern in der Regel um über 80 Prozent reduziert werden. Das ist auch bei den Patienten der Fall, die auf Medikamente nicht ausreichend ansprechen.

Dilemma: Patienten zittern weniger, aber sprechen undeutlicher

Die Elektroden haben an ihren Enden vier Kontakte, die je nach Bedarf und Wirkung durch den Neurologen mit einer bestimmten Stromstärke aktiviert werden. Bei vielen Patienten ist die optimale Wirkung der Tiefen Hirnstimulation nur durch eine unangenehme Nebenwirkung zu erreichen: Ihre Sprache verschlechtert sich.

Man geht davon aus, dass für das Sprechen wichtige Nervenbahnen durch die Stimulation irritiert werden. Viele der Patienten zittern dann zwar nicht mehr, allerdings sprechen sie auch nicht mehr deutlich – sie können die einzelnen Silben schlecht bis gar nicht mehr voneinander trennen. „Daher musste bislang oft die Stärke der Stimulation wieder reduziert werden, wodurch sich aber wiederum die völlige Kontrolle über das Zittern verringert“, erklärt Dr. Michael Barbe, ebenfalls Neurologe an der Uniklinik Köln. Ein Dilemma – sowohl für den Patienten als auch für den behandelnden Arzt.

Neuer Ansatz ermöglicht weniger Zittern und deutlichere Sprache

Der Arbeitsgruppe Bewegungsstörungen und Tiefe Hirnstimulation um Prof. Timmermann und Dr. Barbe gelang es nun, in einem interdisziplinären Ansatz diese Sprechstörung genauer zu untersuchen. Dabei fanden sie einen Weg, den betroffenen Patienten sowohl eine gute Unterdrückung des Zitterns als auch eine deutlichere Sprache zu ermöglichen.

Mithilfe einer neuen Generation von „Hirnschrittmachern“ ist es möglich, über mehrere Kontaktstellen der Elektrode mit unterschiedlichen Stromstärken zu stimulieren. Der Unterschied: Bislang konnten zwar auch mehrere Kontakte aktiviert werden – allerdings immer nur mit der gleichen Stärke. Eine individuelle Stimulation durch die einzelnen Kontakte unterhalb der Nebenwirkungsgrenze war bislang nicht möglich.

Nebenwirkungsärmere Hirnschrittmacher-Therapie möglich

In der Studie konnte belegt werden, dass eine individualisierte Verteilung des Stroms über zwei Kontakte bei gleicher Strommenge das Zittern gleichermaßen reduziert – allerdings ohne eine gravierende Verschlechterung des Sprechens. Eine individualisierte Aufteilung des Stromfelds über mehrere Kontakte ermöglicht also eine nebenwirkungsärmere Hirnschrittmacher-Therapie. „Dies könnte uns in Zukunft helfen, bei Patienten mit stimulationsbedingten Sprechstörungen die Sprache zu verbessern, ohne die Wirkung auf das Zittern zu beeinträchtigen“, so Barbe. Prinzipiell lassen sich die Ergebnisse auch auf Patienten mit Erkrankungen wie Morbus Parkinson oder Dystonie übertragen, die mit der Tiefen Hirnstimulation behandelt werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 27.02.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Uniklinik Köln
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