Gewalt am Krankenbett
Gestresst, überlastet, ausgerastet: Gewalt in der häuslichen Pflege ist keine Seltenheit. Laut WHO sind europaweit vier Millionen Menschen betroffen.
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(Köln – 18.01.2012) Rund 70 Prozent der pflegebedürftigen Menschen in Europa werden im häuslich- familiären Umfeld versorgt. Angehörige schlittern oft unvorbereitet oder unfreiwillig in eine Pflegesituation hinein. Viele Familien leiden zusätzlich unter ungelösten familiären Konflikten, Doppelbelastungen durch Beruf und Pflege oder finanziellen Probleme. „Das kann zu verzweifelten Reaktionen und Überlastungserscheinungen in Form von Gewalt und Misshandlungen führen“, erklärt Christine Sowinski, Leiterin des Bereichs Beratung von Einrichtungen und Diensten des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA).
Gewalt in der Pflege – ein Tabuthema?
Vier Millionen Pflegebedürftige sind allein in Europa Misshandlungen ausgesetzt. Das geht aus einem aktuellen Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO hervor. Etwa 2.500 Opfer sterben an den Folgen der Misshandlungen. „Die Ausmaße der Gewalt in der Pflege werden von unserer Gesellschaft ignoriert und tabuisiert“, sagt Dr. Peter Michell-Auli der Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA).
Es ist davon auszugehen, dass längst nicht alle Fälle ans Licht kommen. „Die Gewalt findet hinter verschlossenen Türen statt und wird häufig vom Umfeld gedeckt“, erklärt Christine Sowinski. Es ist zu befürchten, dass deutlich mehr als die von der WHO genannten vier Millionen älteren Menschen in Europa unter Misshandlungen leiden. Die Gefahr für Übergriffe steigt mit Dauer und Komplexität der Pflegesituation.
Es ist davon auszugehen, dass längst nicht alle Fälle ans Licht kommen. „Die Gewalt findet hinter verschlossenen Türen statt und wird häufig vom Umfeld gedeckt“, erklärt Christine Sowinski. Es ist zu befürchten, dass deutlich mehr als die von der WHO genannten vier Millionen älteren Menschen in Europa unter Misshandlungen leiden. Die Gefahr für Übergriffe steigt mit Dauer und Komplexität der Pflegesituation.
Beratung und Entlastung
Laut Christine Sowinski kann das Gewaltpotenzial nur gemindert werden, wenn über Gewalt in der Pflege auch gesprochen wird. Jedes Eingreifen, jede erfolgreiche Beratung und jedes Entlastungsangebot habe unmittelbare positive Folgen für Menschen, die von Gewalt betroffen sind. „Es ist höchste Zeit, effektive Präventions- und Deeskalationsstrategien zu entwickeln und diese konsequent umzusetzen“, sagt Michell-Auli.
An wen sollen sich Betroffene wenden, wenn sie merken, dass die Pflegesituation eskalieren könnte oder es bereits zu Misshandlungen oder Gewalt gekommen ist? Wichtige Anlaufstellen sind allgemeine Beratungsstellen für Senioren (in den Kommunen, bei den Wohlfahrtsverbänden), Heimaufsichten oder die Seniorenvertretungen. Im Folgenden sind einige Beratungsstellen aufgeführt.
- Psychologische Online-Beratung für pflegende Angehörige
www.pflegen-und-leben.de/ - Pflege in Not
Bergmannstraße 44
10961 Berlin
Telefon: (030) 69 59 88 98
- Handeln statt Mißhandeln
Bonner Initiative gegen Gewalt im Alter e.V
Goetheallee 51
53225 Bonn
Telefon: 02 28 / 63 63 22
E-Mail: info@hsm-bonn.de
Internet: www.hsm-bonn.de
- Pflegenotruf Telefon Niedersachsen 0180 2000 872
www.sovd-nds.de/pflegenotruf.0.html - Pflegenotruf Brandenburg 0180 265 55 66
- Weißer Ring e.V.
Weberstraße 16,
55130 Mainz
Telefon 06131/83030





