Pollenallergie bei Angstpatienten häufiger

Menschen mit einer Angststörung haben häufiger eine Allergie gegen Gräser und Baumpollen, während Patienten mit Depressionen öfter unter ganzjährigen Allergien, etwa gegen Tierhaare, leiden. Wie psychische Faktoren und Allergien zusammenhängen.

Frau muss niesen. © iStock

Forschung: Zusammenspiel von psychischen Faktoren und Allergien

(München – 17.06.2019) Ein Team der Technischen Universität München befragte über 1700 Personen aus dem Raum Augsburg zu ihren Allergien. Die Wissenschaftler unterschieden zwischen ganzjährig auftretenden Allergien wie Hausstaub- oder Tierhaarallergien, saisonalen Allergien wie gegen Gräserpollen und anderen Allergien wie Nahrungsmittelallergien. Zudem beantworteten die Studienteilnehmer Fragen zu ihrem psychischen Zustand.

Das Augenmerk lag auf Depressionen, generalisierten – das heißt den kompletten Alltag betreffenden – Angsterkrankungen und akutem mentalen Stress. „Es gibt Untersuchungen, die sich auf die psychische Komponente von Hauterkrankungen oder allergischem Asthma konzentrieren. Wir zeigen erstmals einen Zusammenhang mit saisonalen Allergien auf", erklärt Katharina Harter, Erstautorin der Publikation. Etwa ein Viertel der Befragten gaben an, unter Allergien zu leiden: davon 7,7 Prozent an ganzjährigen, 6,1 Prozent an saisonalen und 13,6 Prozent an anderen Formen von allergischen Reaktionen.

Einfluss von psychischen Faktoren nachgewiesen

Es zeigte sich, dass Menschen, die an einer generalisierten Angststörungen litten, auch häufiger Pollenallergien hatten, nicht aber das ganze Jahr andauernde Allergien. Diese traten in der Gruppe der Angsterkrankten sogar statistisch seltener auf. Eine mögliche Erklärung: Personen mit andauernden Allergien haben andere Stressverarbeitungsstrategien entwickelt, die sie vor Angststörungen schützten.

Bei den ganzjährigen Allergien gab es dagegen einen Zusammenhang mit Depressionen und depressiven Phasen. Durch den Aufbau der Studie konnte aber nicht geklärt werden, ob Allergien die Angreifbarkeit für Depressionen erhöht oder ob die Depressionen selbst ein Risikofaktor für Allergien sind. Das Auftreten von Nahrungsmittel- oder Medikamentenallergien hingegen wurde allerdings nicht oder nur geringfügig von psychischen Faktoren beeinflusst.

Die Schwachstellen der Studien

In der Studie wurden mögliche Störfaktoren, die den Zusammenhang fälschlicherweise beeinflussen könnten, statistisch herausgerechnet. Hierzu zählten Alter, der Status Raucher/Nichtraucher, das Geschlecht und familiäre Vorbelastungen (zum Beispiel allergisches Asthma).

Katharina Harter erklärt aber auch die Schwachstellen der Studie: „Wir haben ein relativ hohes Durchschnittsalter von 61 Jahren, somit sind jüngere Menschen eher unterrepräsentiert. Außerdem handelt es sich nur um eigene Angaben und nicht um echte Allergiediagnosen. Wir haben aber Blutproben von allen Probanden und wollen diesen Punkt wissenschaftlich überprüfen." Insbesondere zeigt diese Studie, dass es wichtig ist, Betroffenen ausreichend Zeit zu widmen. Nur so können psychosoziale Aspekte neben den klinischen Untersuchungen in eine ganzheitliche Therapie einfließen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 17.06.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Technischen Universität München vom 28.05.2019: Pollenallergie tritt häufiger bei Angstpatienten auf