Pollen-Taxi für Bakterien: Beifußpollen transportieren Entzündungsauslöser

Bestimmte Bakterien in der Luft und deren Bestandteile – die Endotoxine – können bei Asthmatikern Atemprobleme verursachen. Verbreitet werden sie über die Pollen der Beifußpflanze und machen das Allergen so noch aggressiver.

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(München – 14.08.2018) Bei Asthmatikern können unterschiedliche Stoffe in der Luft Atemprobleme verursachen. Dazu gehören Bakterien und ihre Bestandteile – die Endotoxine –, die Entzündungen auslösen können. Wie sie in die Luft gelangen, war bisher unklar. Ein Forschungsteam der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München (HMGU) konnte zeigen, dass hauptsächlich der Pollen des Beifußes Bakterien transportiert und das Allergen dadurch noch aggressiver wird.

Studie: Luftanalyse in München und Davos

Über fünf Jahre untersuchte das Forschungsteam jeden Tag die Luft in der Innenstadt München und im schweizerischen Davos. Sie analysierten, welche unterschiedlichen Pflanzenpollen in der Luft zu finden waren und maßen die Konzentration von Endotoxinen.

Was Endotoxine sind, was sie machen und wo sie herkommen

Endotoxine sind chemische Verbindungen, die bei manchen Menschen Entzündungen auslösen und zu Atemproblemen führen können. Bakterien lagern die Endotoxine auf ihrer Oberfläche ab. Außerdem werden sie freigesetzt, wenn Bakterien absterben – also wenn sie in ihre Einzelteile zerfallen.

Die Ergebnisse der Studie

1. Mehr Pollen der Beifuß-Pflanze in der Luft, mehr Endotoxine

Die Luftanalyse in München und Davos ergab ein deutliches Ergebnis: Die Menge an Endotoxin in der Luft nahm nur zu, wenn auch die Pollenkonzentration der Beifuß-Pflanze anstieg – unabhängig von klimatischen Veränderungen. Parallele Kontrollmessungen in Davos zeigten, dass die allgemeine Luftbelastung durch Pollen und Endotoxine zwar dort sehr viel geringer war, dennoch war auch hier ein Zusammenhang von Beifußpollen und den Bakteriengiften nachweisbar.„Wir konnten zeigen, dass die Pollen wie ein Taxi für die Bakterien und somit für ihre Toxine dienen. Der von Natur aus sehr allergene Pollen des Beifußes wird dadurch noch problematischer für Allergiker und Asthmatiker.“, sagen Professorin Claudia Traidl-Hoffmann und Professor Jeroen Buters der TUM und HMGU.Zur Pflanze: Der Beifuß (Artemisia vulgaris) ist in Europa weit verbreitet und kann bis zu zwei Meter hoch wachsen. Sein Pollen kann Heuschnupfen auslösen.

2. Die Hauptquelle der Endotoxine ist das Bakterium Pseudomonas luteola

Das Studienteam untersuchte weiter den Bakterienbewuchs auf Beifußpflanzen, um herauszufinden, von welcher Bakterienart die Endotoxine auf dem Pollen stammen. Sie konnten eine einzige Art als Hauptquelle identifizieren: das Bakterium Pseudomonas luteola. Es war auf 95 Prozent der Pflanzen zu finden.

3. Bakterien verstärken die allergischen Effekte von Beifuß

In einem komplexen Allergiemodell zeigte sich außerdem: Beifuß-Pollen in Verbindung mit hohen Mengen von Endotoxinen des identifizierten Bakteriums verursachen starke Entzündungsanzeichen in den Atemwegen. Keine Entzündungsanzeichen wurden bei geringen Dosen des Endotoxins, bei Endotoxin ohne den Pollen oder nur dem Pollen nachgewiesen.

Allergiker und Asthmatiker können sinnvoll gewarnt werden

„Mit diesem Wissen können wir künftig und indirekt über die Pollenmessung auch eine Vorhersage darüber treffen, wann die Endotoxinbelastung in der Luft sehr hoch ist. Dadurch können wir Allergiker und Asthmatiker sinnvoll warnen.“, sagt Jose Oteros, Erstautor der Studie.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 14.08.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Technischen Universität München vom 18.07.2018: Pollen-Taxi für Bakterien. Allergie: Beifußpollen als Hauptquelle für Bakterientoxine in der Luft