Schutzwall gegen Allergien

Wissenschaftler haben einen natürlichen Schutzwall gegen Allergien entdeckt. Die Erkenntnisse könnten zu neuen Therapiemöglichkeiten verhelfen.

Frau schnäuzt sich © iStock
(Berlin – 13.12.2016) Allergien werden durch einen unkontrollierten oder fehlgeleiteten Angriff des Immunsystems gegen harmlose Bestandteile aus der Umgebung verursacht – beispielsweise Pflanzenpollen oder Partikel von Hausstaubmilben. Vor allem in den industrialisierten Teilen der Welt nehmen Allergien rasant zu und stellen zum Teil lebensbedrohliche Erkrankungen schon bei Kindern und Jugendlichen dar. Bislang war unklar, ob es einen aktiven körpereigenen Schutzmechanismus gibt, der Allergene spezifisch erkennt und die Entstehung von Allergien verhindert und der möglicherweise bei Allergikern defekt ist.

Bestimmte Allergene unterlaufen den Schutz

Wissenschaftler um Dr. Petra Bacher und Prof. Dr. Alexander Scheffold der Arbeitsgruppe Zelluläre Immunologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und am Deutschen Rheuma-Forschungszentrum Berlin (DRFZ) konnten nun zeigen, wie die Toleranz gegen den größten Teil der aus der Luft aufgenommenen harmlosen Fremdstoffe im Menschen aufrechterhalten wird. Zudem identifizierten sie einen Mechanismus, durch den bestimmte Allergene, die nur einen Bruchteil der inhalierten Fremdstoffe ausmachen, diesen Schutz unterlaufen können.  

Die Forscher nutzen dafür ein Verfahren, mit dessen Hilfe körpereigene Immunzellen – sogenannte T-Helferzellen – im Blut nachweisbar sind. Überraschenderweise fanden die Forscher fast ausschließlich eine spezialisierte Population von T-Zellen – die regulatorischen T-Zellen (Tregs). Deren wichtigste Aufgabe ist es, unerwünschte Immunreaktionen aktiv zu unterdrücken. Bisher wurde vermutet, dass Tregs hauptsächlich körpereigene Bestandteile erkennen, um diese so vor dem Angriff anderer Zellen des Immunsystems zu schützen.  

Beim Vergleich zwischen Allergikern und gesunden Menschen zeigte sich jedoch, dass eine Allergie nicht – wie erwartet – auf einen Defekt der Tregs zurückzuführen war. Allerdings weist der Treg-Schutzwall bei gesunden Menschen wie bei Allergikern kleine Lücken auf – das heißt, einige Proteine werden weniger gut erkannt als andere. Eine Analyse der allergieauslösenden (Th2-)Zellen ergab, dass diese genau gegen die wenigen ungeschützten Proteine gerichtet sind, die den Treg-Schutz gezielt unterlaufen.

Neue Therapiemöglichkeiten?

Auch wenn nicht klar ist, warum sich bei manchen Patienten gegen die ungeschützten Proteine eine Allergie entwickelt – hier spielen vermutlich genetische und Umweltfaktoren eine Rolle –, geben diese Ergebnisse Anlass zur Hoffnung. Denn die Erkenntnis, dass Allergiker sehr wohl über einen effektiven Schutzmechanismus gegen den Großteil potenzieller allergener Substanzen aus der Luft verfügen, kann zum Beispiel für Impfungen genutzt werden, um die wenigen Lücken gegen die Allergene gezielt zu schließen. Auch für viele andere Krankheiten wie rheumatoide Arthritis, Multiple Sklerose oder chronische Darmentzündungen, die durch eine fehlgeleitete Immunreaktion gegen eigene Körperbestandteile verursacht werden, können auf dieser Basis möglicherweise neue Therapiestrategien entwickelt werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 13.12.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Charité – Universitätsmedizin Berlin: Natürlicher Schutzwall gegen Allergien entdeckt
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