Vorsicht: Allergiegefahr

Lebkuchen, Plätzchen und Schokolade – so lecker und doch gefährlich: Manche Menschen reagieren auf Zutaten darin allergisch. Wie Sie Allergene meiden können.

Spekulatius © Thinkstock
(Berlin/Mönchengladbach – 07.12.2012) An Lebkuchen, Spekulatius und Schoko-Nikoläusen kommt man im Advent kaum vorbei. Auf jedem Weihnachtsmarkt und in den Supermärkten sind die Stände und Regale voll von süßen Genüssen. „Die Verführung durch Süßigkeiten ist gerade in der Weihnachtszeit besonders groß“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin Sonja Lämmel vom Deutschen Allergie- und Asthmabund. Diese Zeit ist deshalb für Menschen mit einer Nahrungsmittelallergie oder -unverträglichkeit eine echte kulinarische Herausforderung. Etwa acht Prozent der Kinder und vier Prozent der Erwachsenen reagieren der Expertin zufolge auf unterschiedliche Lebensmittel allergisch.

Besonders Nuss-, Erdnuss- und Pollenallergiker sollten achtsam sein

Nüsse, Erdnüsse, Äpfel, Schoko-Weihnachtsmänner, Lebkuchen und Plätzchen können Allergien verursachen, aber auch die typischen Weihnachtsgewürze wie Anis, Zimt und Kardamom. „Besonders Nuss- und Erdnussallergiker müssen vorsichtig sein und können nicht einfach so überall zugreifen“, warnt Lämmel.  

Doch auch Pollenallergiker sollten beim Naschen aufpassen: „Gewürze und Nüsse in Weihnachtsgebäck enthalten Stoffe, die ähnlich strukturiert sind wie etwa Birkenpollen und daher zu allergischen Reaktionen führen können“, sagt der Venerologe und Allergologe Torsten Zuberbier, Chef der Charité-Klinik für Dermatologie in Berlin und Mitglied der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF).

Erste Symptome für eine Allergie: kribbeln und jucken

Eine allergische Reaktion macht sich beispielsweise durch ein Kribbeln auf der Zunge und im Hals bemerkbar. Auch ein Juckreiz am Gaumen und in den Ohren ist möglich. „Meistens sind solche Reaktionen zunächst harmlos“, sagt Zuberbier. Gefährlich wird es erst, wenn Mund und Rachen anschwellen, denn das kann zu Atemnot führen. In diesem Fall sollten Betroffene das allergieauslösende Nahrungsmittel unbedingt meiden und am besten mit einem Allergologen sprechen, der spezielle Notfallmedikamente verschreiben kann.

Fertiges Weihnachtsgebäck besser meiden

„Wer gegen bestimmte Nahrungsmittel allergisch ist, sollte immer einen Blick auf die Verpackung werfen“, empfiehlt der Allergologe Zuberbier. Denn seit 2005 müssen EU-weit die 14 Produktgruppen ausgewiesen werden, die am häufigsten Allergien auslösen.  

Auf manchen Produkten steht der Hinweis „Kann Spuren von … enthalten“. Ernährungswissenschaftlerin Lämmel rät Allergikern trotzdem von abgepackten Süßigkeiten und fertigem Weihnachtsgebäck ab: „Es gibt auch Firmen, die verzichten auf den Hinweis auf Spuren, weil der Gesetzgeber diesen nicht vorschreibt“, sagt die Expertin. Die Kennzeichnungspflicht gilt nur, wenn der Allergieauslöser als Zutat im Lebensmittel verarbeitet ist – und nicht wenn er ungewollt durch die Produktion in das Lebensmittel hineingeraten kann, zum Beispiel durch eine Verarbeitung des Allergens auf demselben Fabrikband.

Kreuzreaktionen mit Weihnachtsgewürzen

Nicht nur Nussallergiker sollten aufpassen, auch Pollenallergiker können mit sogenannten Kreuzreaktionen auf die typischen Weihnachtsgewürze wie Zimt oder Anis reagieren: Bei verpackten Plätzchen müssen Gewürze nicht einzeln aufgelistet werden, wenn weniger als zwei Prozent enthalten sind. „Allergiker können also nicht immer mit einer vollständigen Auflistung der Gewürze rechnen“, warnt Lämmel.

Für den Allergiker ist es also oft schwierig, nicht aus Versehen zur falschen Süßigkeit zu greifen. „Es gibt allerdings einige Hersteller, die ihre Ware in nuss- und erdnussfreien Werken produzieren“, so die Ernährungsexpertin. Welche das sind, kann man bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung erfahren.

Zutatenverzeichnis nur für verpackte Lebensmittel vorgeschrieben

Auch auf dem Weihnachtsmarkt laufen Allergiker Gefahr, unwissentlich in Naschwerk mit Allergierisiko zu beißen. „Ein umfangreiches Zutatenverzeichnis ist nur für verpackte Lebensmittel vorgeschrieben“, sagt Lämmel. Dies gilt jedoch nicht für lose Ware, so wie sie in den Buden auf dem Weihnachtsmarkt angeboten wird. „Ich weiß also nicht, was wirklich im Glühwein oder im Bratapfel drin ist“, so die Expertin.

Vorsicht ist vor allem bei gebrannten Macadamianüssen, Pinienkernen oder Mandeln geboten: „Es kann zu sogenannten Kreuz-Kontaminationen kommen“, erklärt Lämmel. Wer beispielsweise allergisch gegen Macadamianüsse ist und gebrannte Mandeln kauft, kann nicht sicher sein, ob die beiden Produkte in der Herstellung wirklich sauber voneinander getrennt wurden. „Man muss immer mit Spuren rechnen und darum besser: Finger weg“, rät die Fachfrau.

Weihnachtskekse am besten selber backen

„Einfacher ist, die weihnachtlichen Süßigkeiten selbst herzustellen“, empfiehlt Lämmel. Man kann Schokolade selbst machen, beim Backen auf Nüsse verzichten und stattdessen beispielsweise auf Mandeln ausweichen. „Beim Selbstbacken sollte der Allergiker Rezepte meiden, die Nougat oder Marzipan enthalten", so der Allergologe Zuberbier. Weizenallergiker können als Weizenersatz etwa Buchweizenmehl oder Roggenmehl verwenden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 07.12.2012
  • Autor/in: vitanet.de-cd
  • Quellen: dapd